Kontakt

24h-Schaden-Hotline

Wenn aus der Arbeit ein Hobby wird

Sirik Loosman erzählt von der Entwicklung seiner App «Habitpot»
Jan 12, 2021.

Sirik Loosman ist 28 Jahre alt und hat 2008 seine Ausbildung zum Applikationsentwickler bei Generali gestartet. Nach seiner Lehre konnte er in der Entwicklungsabteilung einsteigen und seit rund fünf Jahren ist er im Bereich Enterprise Architektur tätig. Die IT ist nicht nur sein tägliches Brot, sondern viel mehr auch sein Hobby. Dank dem umfangreichen Wissen und seiner, welches er bei Generali erlangte und seiner Passion für IT, hat er in seiner Freizeit die App «Habitpot» entwickelt. Wir haben ihn gefragt, was die App kann und wie es dazu kam.

 

Sirik, du hast in deiner Freizeit die App Habitpot entwickelt. Was ist Habitpot und um was geht es?

Im weitesten Sinne geht es um ein (stärkeres) Bewusstsein über den eigenen Konsum zu entwickeln und gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Sei es an Silvester, die nahende Badesaison oder ein moralischer Impuls, wir setzen uns oft eigene Ziele. Doch diese innezuhalten, ist nicht immer einfach. Weniger Fleisch oder Süsses zu essen, aufhören zu rauchen, weniger zu fliegen oder nicht mehr zu fluchen – die Liste ist fast endlos und vor allem sehr individuell. Gleichzeitig haben wir oftmals das Gefühl, dieses neue Ziel nun mit 100% unserer Willenskraft verfolgen zu müssen. Wir hoffen, dass wir durchhalten und nicht schwach werden. Nach einigen Wochen schleicht sich die erste sowie zweite Ausnahme ein und das persönliche Ziel beginnt bereits leicht zu verwässern.

 

Mit Habitpot kannst du ganz einfach deinen «Überkonsum» verfolgen (also was du über dein Ziel hinaus konsumiert hast) und diesen zum Beispiel in Form eines kleinen Geldbetrages in einen sogenannten «Pot» legen. Ausnahmen zu machen ist nicht schlimm, aber sie sollten dir bewusst sein. Über die Zeit beginnt sich ein Bild in deinem Pot abzuzeichnen, wie konsequent du deine Ziele verfolgen kannst. Wenn du möchtest, bietet dir die Habitpot-App in diesem Moment auch Zugang zu handverlesenen Spendenorganisationen und du kannst einen beliebigen Betrag spenden.

 

Was ist dein langfristiges Ziel deiner App?

Langfristigkeit ist in einer Welt, die sich konstant im Wandel befindet, nicht so einfach. Das übergreifende Ziel hinter Habitpot ist jedoch einen Beitrag zur Transformation zu einer bewussteren Konsumgesellschaft zu leisten. Was das schlussendlich konkret für die App bedeutet, kann ich heute aber noch nicht sagen.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine solche App zu entwickeln?

Die Idee entstand im Sommer letzten Jahres während eines Einkaufs mit meiner Frau. Wir kochen Zuhause fast ausschliesslich vegan, da steckt nicht nur Überzeugung, sondern auch ein paar Unverträglichkeiten dahinter. Auf der Einkaufsliste standen Zutaten für eine gute, selbstgemachte Pizza. Nach kurzem Hin- und Her entschieden wir uns, auch Mozzarella zu kaufen. Sozusagen als kleine Ausnahme. Auf dem Weg nach Hause hatten wir dann eine Idee. Wir fanden es toll, dass man für den «Moment der kleinen Schwäche» etwas auf die Seite legen kann. Und dieses Geld später für etwas Gutes einzusetzen. Da war sie, die Idee von Habitpot.

 

Warum sollte man deine App downloaden? Nenn uns doch ein paar ausschlagkräftige Gründe?

Du bist motiviert etwas an deinem Verhalten zu verändern? Übst dich vielleicht vermehrt in Achtsamkeit deinem Konsum oder Auswirkungen der Umwelt gegenüber? Machst dir hin und wieder Gedanken, wie auch du etwas ändern kannst?

 

Veränderung ist in den wenigsten Fällen einfach. Habitpot kann dich jedoch auf deinem Weg zu einem etwas bewussteren Leben begleiten, wenn du dich durch eine oder mehrere der vorherigen Fragen angesprochen fühlst.

 

Wie viele Ressourcen hast du in deine App investiert, finanziell und auch zeitlich?

Neuen Lösungen Leben einzuhauchen begeistert mich, in welcher Form auch immer. Das führt dazu, dass ich leidenschaftlich dafür unterwegs bin – so wird meist viel investiert. Zeit, Geld und jede Menge Energie.

 

Die App ist bewusst nicht monetarisiert (keine Werbung, keine Kosten oder Premium-Funktionen für den Nutzer). Das wollte ich nicht. Klartext: Die App bringt mir kein Geld ein.

 

Mein zeitlicher Aufwand belief sich auf etwa 6 Monate, die ich effektiv neben meiner Arbeit bei Generali in den Aufbau investiert habe. Drei Monate im 2019, um mir das Konzept zurechtzulegen und mit vielen Menschen darüber zu sprechen. Von Januar bis April 2020 habe ich dann die erste Version der App entwickelt und mit einer Alpha- und Beta-Testgruppe zur finalen App herangeführt, die im August erschienen ist. Am Schluss hat alles etwas länger gedauert als gedacht, da ich mir gleichzeitig noch eine neue Programmiersprache beigebracht habe.

 

Stell dir vor du bist bei «Höhle der Löwen». Wie würde dein Pitch aussehen?

Ich bin tierisch aufgeregt. Mit einigen interessanten Fakten zu unserem Konsum baue ich bei den Löwen ein Bewusstsein für das Problem auf. So setzt beispielsweise die Herstellung von einem einzelnen Kilogramm Rindfleisch etwa 13.3 Kg CO2 frei und verschlingt über 15'000 Liter Wasser. Das ist etwa so viel CO2 wie alleine durch eine Autofahrt von 42 Kilometer ausgestossen wird.

 

Danach stelle ich auf humorvolle und charismatische Art und Weise dar, wie wichtig es ist, sich seinem Konsum bewusst(er) zu werden. Schliesslich folgt als die ideale Lösung «Habitpot» als dein kleiner Helfer an der Seite. Hört sich doch ganz gut an, oder?

 

Am Ende müsste ich mich aber wohl mit dem Resultat abfinden, dass das «Geschäftsmodell» keine interessante Investition für die Löwen darstellt. Da ich nahezu alle Folgen der Sendung gesehen habe, kann ich dies mit grosser Gewissheit sagen. Naja, die Erfahrung wäre trotzdem spannend. ;-)

 

Wie geht es mit Habitpot weiter?

Das wird die Zukunft zeigen. Selbstverständlich habe ich, was die App angeht, noch ein paar interessante Asse im Ärmel. Zum Beispiel das Erfassen von anderen Konsumthemen… wie TV/Netflix-Zeit oder Flugstunden, aber da verrate ich jetzt noch nicht zu viel. Wenn ich da draussen nur eine Handvoll Menschen dafür begeistern kann, ihren Konsum bewusster erleben zu wollen und damit etwas Gutes zu tun, dann hat sich meine Reise mit Habitpot bereits gelohnt.

 

Hast du noch weitere Projekte oder reicht das vorerst?

Keineswegs, ich glaube sogar, dass ich erst gerade anfange. Seit drei Jahren bin ich begeisterter Fahrer eines Tesla und liebe es, mich mit anderen Menschen darüber zu unterhalten. Das Spektrum meiner Interessen ist dabei jedoch ziemlich breit und schliesst weitere Themen wie Elektromobilität oder nachhaltige Energien und andere spannende Entwicklungen und Technologien der Zukunft mit ein. Auch fasziniert mich das Mindset von Elon Musk. Seit etwas mehr als zwei Jahren baue ich auf Twitter die interaktive «Tesla Community Schweiz» auf und bin gerade mit der frühen Planung eines grossen Events im nächsten Jahr beschäftigt. Der Wille ist da, mal sehen, wie es mit der Zeit aussieht.

 

Wie kannst du die Erfahrungen der App in deiner täglichen Arbeit bei Generali einbauen?

Das Zitat «Im Leben gibt es keine Fehler, nur Erfahrungen» begleitet und inspiriert mich schon lange. Um einer Idee zu folgen und ihr auch Platz in seinem Leben einzuräumen, braucht es aber meist auch etwas Mut. An dieser Stelle danke ich Mike Fuhrmann, der mich in dieser Zeit als Mentor begleitete und auch dazu beitrug, dass ich mich für die Seite der Erfahrung entschlossen habe. Eine App wie Habitpot aufzubauen und sich mit jedem einzelnen, relevanten Aspekt davon zu beschäftigen, hat mich reicher gemacht. Natürlich sind solche Wege auch gepflastert mit negativen Erfahrungen, aber jede einzelne machte das Ergebnis aus meiner Sicht auch ein Stückchen besser. Diese Bereicherung macht mich als Mensch vielseitiger, kreativer und flexibler – davon profitiert Generali jeden Tag. :-)